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Bericht zur DRK - Fachtagung: Interkulturelle Öffnung – für Macher! (11.09. - 13.09.15)

Ehren- und hauptamtliche DRK-Fach- und Führungskräfte und  externe Mitwirkende –insgesamt  140 an der Zahl - haben sich vom 11.-13. September mit unterschiedlichen Fragestellungen zur  Interkulturelle Öffnung  Macher!“ im DRK befasst. ( Vgl. Tagungsprogramm)

Mit der Tagung sollten folgende Ziele erreicht werden:

- Austausch und Vernetzung, von- und miteinander lernen

- Sichtbar machen: Was haben wir erreicht? Wo wollen wir hin? Wo stagniert es? Was gelingt gut?

- Weiterführende Angebote und handhabbare Methoden, Werkzeuge und Umsetzungsvorschläge vermitteln


Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen und  das Feedback der Teilnehmenden zeigen,  dass diese Ziele erreicht wurden.

Beschreibung der einzelnen Beiträgen, Inhalte, Methoden und Ergebnisse der Tagung

Der Präsident des DRK, Dr. Rudolf Seiters, ging in seiner Begrüßungsrede auf die Bedeutung ein, die die Interkulturelle Öffnung für das DRK wie auch für unsere ganze  Gesellschaft gerade in der jetzigen Zeit hat. „Das Vorhaben „Interkulturelle Öffnung“ haben wir in den vergangenen Jahren gut begründet.  […]Und wir haben erlebt, dass das DRK sich weiterentwickelt, langsam, aber wie ich glaube, beständig in die richtige Richtung.“ Interkulturelle Kompetenzen  seien auch gefragt bei der  Betreuung von Flüchtlingen in Notunterkünften. Damit seien derzeit fast alle DRK-Verbände bundesweit beschäftigt. Für dieses große Engagement dankte Herr Dr. Seiters allen ehren- und hauptamtlichen Akteuren sehr herzlich!

Foto: Miriam Schmidt - Dr. Rudolf Seiters spricht sein Grußwort

Die Nothilfe sei aktuell ein notwendiger, jedoch nur ein erster Schritt. Maßnahmen zur Integration  müssen folgen. Dr. Rudolf Seiters stellt klar:  „Längerfristig geht es () darum, für alle zugewanderten Menschen gleiche Bedingungen und Teilhabemöglichkeiten zu schaffen, wie sie alle Menschen, die hier leben, haben sollen.“ Die Interkulturelle Öffnung im DRK sei auch ein Beitrag dazu. Dr. Seiters sieht das DRK auf einem guten Weg:  „Unsere Befassung mit „Interkultureller Öffnung“ im gesamten Verband hat den Boden für gute Lösungen bereitet“.

In Ihrem Einführungsvortrag führte Frau Dr. Annette Tabbara, Leiterin des Arbeitsstabs der Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, aus, dass „die interkulturelle Öffnung einer Organisation (wie z.B. des DRK) ein zentraler Baustein ist hin zu einer echten Einwanderungsgesellschaft.“ „Es geht darum, Barrieren und Hemmnisse in den Strukturen und Haltungen, die einer gleichberechtigten Teilhabe entgegenstehen, […] zu erkennen und abzubauen.“ Sie appelliert: „Die Verantwortung für die erforderlichen Umsteuerungsprozesse liegt immer und in erster Linie bei den Institutionen und der sie tragenden Gesellschaft.“

Foto: Heinz Knoche - Dr. Annette Tabbara beim Einführungsvortrag

Zur Illustration zitiert Fr. Dr. Tabbara aus einer DRK-Broschüre[1]: „Interkulturelle Öffnung bedeutet, im gemeinsamen Haus der Integration die Wände zu verrücken und die Räume neu aufzuteilen – und nicht nur seine Fassaden und Zimmer neu zu streichen.“

Die Beauftragte teile auch die Sorge von Dr. Seiters, „dass immer mehr Flüchtlinge in Zeltstädten untergebracht werden. Das kann nur eine zeitlich befristete Notlösung sein. Sie finde es „beeindruckend, mit welcher Energie und Kreativität die vielen Ehrenamtlichen […] den Flüchtlingen bei ihren ersten Schritten in unserem Land zur Seite stehen“. Frau Dr. Tabbara spricht im Namen der Bundesintegrationsbeauftragten dafür auch dem DRK ihren herzlichen Dank aus! Um das große ehrenamtliche Engagement der Wohlfahrtsverbände strukturell zu unterstützen, hat diese Fördermittel bereitgestellt: „Wir wollen, dass Ehrenamtliche qualifiziert werden und ihnen hauptamtliche Begleitung zur Seite gestellt wird, damit ehrenamtliche Arbeit effektiv koordiniert wird und tragfähige Strukturen aufgebaut werden können.“ Hieran partizipiert auch das DRK.

Dem DRK komme bei der Interkulturellen Öffnung eine wichtige Rolle zu, so Fr. Dr. Tabbara, sei es doch mit seiner großen Anzahl von Ehrenamtlichen breit in der Bevölkerung verankert.

Weitere plausible Gründe für die Interkulturellen Öffnung des DRK zeigten die Moderator*innen Gülcan Yoksulabakan-Üstuay und Jürgen Schlicher von Diversity Works in der Einführung in die Tagung auf.

Foto: Miriam Schmidt - Gülcan Yoksulabakan und Jürgen Schlicher

führen in die Tagung ein

Sie legten den demographischen Wandel und die daraus entstehenden Folgen anschaulich dar und machten dabei auch anhand der „Peters-Projektion“ der Weltkarte auf die eurozentristische Weltsicht der Europäer aufmerksam: Wir denken, dass unsere Perspektive objektiv und richtig sei – und übersehen die Verzerrung, die sich aus unserer Perspektive ergibt. Sie stellten die These auf, dass die wachsende Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften und Freiwilligen europaweit Konkurrenzsituationen hervorbringen könne, in denen „interkulturell ausgerichtete Einrichtungen deutlich an Attraktivität gewinnen werden.“

In ihrer Begrüßung hatte Frau Yoksulabakan bei einigen für Irritation gesorgt, indem sie den DRK-Präsidenten mit „Lieber Rudolf!“ begrüßte. Ihre Erklärung: „In der Türkei ist dies durchaus eine respektvolle Begrüßung!“ machte deutlich, wie leicht interkulturelle Missverständnisse entstehen können – und wie leicht sie gelöst werden können, wenn man sich auskennt.

An 17 Info-Tischen  informierten DRK-Verbände sowie andere Vereine und Organisationen darüber, wie sie die interkulturelle Öffnung in ihrer Alltagsarbeit umsetzen, welche Konzepte sie verfolgen und wie sie ihre Angebote gestalten. Alltagsdiskriminierung, Islam heißt Frieden, Menschen mit Migrationsgeschichte in Führungspositionen, Interkulturelle Vielfalt in der Medienarbeit und Interkulturelle Kompetenz in der DRK-Auslandshilfe  waren weitere Themen, die engagiert diskutiert wurden.  

Foto: Heinz Knoche - Roll-Up Interkulturellen Öffnung

Zwei Neuzuwanderer aus Syrien, die ehemals beim Syrisch-Arabischen Roten Halbmond ehrenamtlich aktiv gewesen waren und inzwischen beim DRK Berlin-City ehrenamtlich mitwirken, gaben Einblicke in ihre  Erfahrungen als ankommende Flüchtlinge aus Syrien.

Foto: Heinz Knoche: Projektpräsentation das Bayerischen Jugendrotkreuzes - Info-Tisch 7

Das Wiener Rote Kreuz ermöglichte einen Blick über unsere Landesgrenzen hinaus: Mit seinem wegweisenden Projekt „Protect“ ist es gelungen, entscheidende Schritte zur Interkulturellen Öffnung des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes zu machen: Multiplikator*innen aus vielen Migranten-Communities wurden durch Kurse „Hilfe im Notfall“ selbst zu Kursleiter*innen qualifiziert, die anschließend in ihren Communities ausbilden. Neben dem Know-How für den Notfall vermitteln sie auch, dass Katastrophenschutz und Feuerwehr vielerorts ehrenamtlich getragen werden und dass Zuwanderer dabei auch willkommen sind.

Foto: Miriam Schmidt - Projekt „Protect“ vom Wiener Roten Kreuz – Info-Tisch 7

Am zweiten Tag ging es um aufgabenbezogene Arbeitsgruppen (sog. Tagungsteams):  Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiteten ganztägig - entsprechend ihren Aufgabenschwerpunkten und Funktionen - in neun festen Arbeitsgruppen daran, wie sie die Interkulturelle Öffnung noch besser voranbringen zu können. Dabei wurden sie inhaltlich und methodisch durch professionelle Moderator*innen unterstützt und begleitet.

Diese Arbeitsweise wurde mit großer Zustimmung angenommen, gab sie doch die Möglichkeit, im Austausch von den Erfahrungen der anderen zu lernen und gemeinsam weitere Lösungswege zu entwickeln.

Hierzu ein Feedback: „Im Tagungsteam herrschte eine große Offenheit, sich über Best Practice, persönliche Zugänge, unterschiedliche Arbeitskontexte und daraus entstehende Herausforderungen auszutauschen. So wurde auch über die Auswirkungen von Diskriminierung auf die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte und über die daraus entstehenden Schwierigkeiten teils intensiv gesprochen. Deutlich wurde, welche [..] Ideen- & Handlungs- Börse eine Perspektivenvielfalt in guter Arbeitsatmosphäre bei gegenseitiger Anerkennung ist – viele Best-Practice-Anregungen wurden geteilt. Die heterogene Zusammensetzung des Tagungsteams wurde diesbezüglich als sehr bereichernd empfunden: Stadt – Land, Hoher Migrationsanteil in der Bevölkerung – Kaum Migrationsanteil in der Bevölkerung, Ortsverband – Kreisverband – Generalsekretariat, Christen – Muslime – Menschen ohne Konfession, Ost – West – Nord – Süd, mit Migrationsgeschichte – in der eigenen Ursprungsgemeinde lebend etc. Es wurde deutlich spürbar, dass unterschiedliche (kollektive) Prägungen unterschiedliche Sichtweisen auf und Fragestellungen an IKÖ mit sich bringen.“ (Tagungsteam 5)

Foto: Miriam Schmidt - Ergebnisse aus Tagungsteam 5

Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen bzw. Tagungsteams

In jedem Tagungsteam wurde zusammengetragen,

ü  was bereits gut funktioniert,

ü  was schwierig und ausbaufähig ist - und

ü  was zukünftig noch getan werden soll,


um die Interkulturelle Öffnung nachhaltig im DRK zu verankern.

Was schon erarbeitet wurde zur Umsetzung von IKÖ

In allen Tagungsteams wurde festgestellt, wie viele gute Beispiele und Ansätze auf allen Ebenen des Verbandes bereits vorhanden sind.

Das DRK-Generalsekretariat hat 2014/2015 – in Zusammenarbeit mit den DRK-Landesverbänden - auf der Website http://drk-ikoe.de/intern eine Vielzahl von Materialien und guten Praxisbeispielen eingestellt, die als sehr hilfreich bewertet wurden, z.B.:

·       „Arbeitshilfe zur Interkulturellen Öffnung“ (Kurzform und Langversion, Generalsekretariat)  

·       „Interkulturelle Öffnung leicht gemacht“, LV Baden-Württemberg

·       „Interkulturelle Öffnung im Ehrenamt, LV Westfalen-Lippe

·       Rolls-Ups und Flyer zur Öffentlichkeitsarbeit (Bayerisches Rotes Kreuz und LV Baden-Württemberg)

·       Curricula für Fortbildungen in Interkultureller Handlungskompetenz (Badisches Rotes Kreuz)


Auch haben viele Landesverbände die Interkulturelle Öffnung in ihrem Verband als ein eigenes Thema auf ihrer Website platziert.

Was noch erarbeitet werden soll zur Umsetzung von IKÖ

Empfohlen wurde, neben einer Gesamtstrategie viele maßgeschneiderte Lösungen vor Ort zu entwickeln (Tagungsteam 2). Hilfreich wären Indikatorensets [2] für ein DRK Internes Monitoring, um Vergleichbarkeit zu ermöglichen und die Handlungs- und Erfahrungsebenen zuordnen zu können.

Was für die Interkulturelle Öffnung förderlich ist, soll in den Strukturen verankert werden (Tagungsteam 1): „Ansprechpersonen für IKÖ sollen auch in den Kreisverbänden  und Ortsvereinen benannt werden.“ Es gibt sie zwar in allen Landesverbänden, flächendeckend fehlt diese Struktur jedoch noch weitgehend.

Akteure im Sozialen Ehrenamt (Tagungsteam 4) erkannten in den sogenannten „Ungebundenen Helfern“, die über die Social Media zusammen finden, ein großes Potenzial, um Hilfe zu organisieren, wo sie gebraucht wird, unabhängig von Mitgliedschaft und vorausgehenden Fortbildungsmaßnahmen. Schlussfolgerung: „Wir brauchen flexiblere Strukturen.“

Foto: Miriam Schmidt - Ergebnisse aus Tagungsteam 4

In mehreren Tagungsteams ging es darum, wie das DRK mehr Menschen mit Migrationsgeschichte für ehren- und hauptamtliche Mitarbeit gewinnen kann und wie auf den jeweiligen Ebenen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden können.

Hierzu gab es die folgenden Erkenntnisse:

Eine Voraussetzung liege in den haupt- und ehrenamtlichen DRK-Mitarbeitenden selbst: Damit Menschen sich auf Interkulturalität und Menschen mit Migrationsgeschichte einlassen können, brauchen sie ein Gefühl dafür und Bewusstsein darüber, was sie selber für eine (kulturelle) Identität haben. (Tagungsteam 3). Gebraucht werde eine „Kultur des Dialogs“ statt der „Vor-Annahmen und Vor-Urteile“.

Foto: Miriam Schmidt - Arbeitsausschnitt aus Tagungsteam 3 mit Moderatorin Tanja Berg

Eine andere Voraussetzung betreffe die Art der Ansprache und Gewinnung von Menschen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrung. Hier sei zu beachten, dass unterschiedliche Perspektiven und Selbstverständlichkeiten in Betracht zu ziehen sind. Bevor man ein Angebot für Menschen mit Migrationsgeschichte konzipiert, müsse man die Betreffenden fragen, was sie möchten und brauchen. Das JRK München ist so vorgegangen und hat anschließend – in Kooperation mit der Wasserwacht und dem Sozialen Ehrenamt - Schwimmkurse für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge durchgeführt.

Im Jugendrotkreuz wird gleichzeitig mit der Interkulturellen Öffnung die Akzeptanz für die Vielfalt der Menschen insgesamt angestrebt. So wurden bei „Mehrsprachigkeit“ auch die Gebärdensprache und die „Leichte Sprache“ mitgedacht.  (Tagungsteam 4A)

Es wurde auch deutlich, dass IKÖ nicht „umsonst“ zu haben sei und dass Ressourcen für die Umsetzung bereit zu stellen seien. Es wurde eine Diskrepanz zwischen den formulierten Zielen („IKÖ soll umgesetzt werden“) und der Realität („Die Mittel für die Umsetzung sind unzureichend“) gesehen: „Erst wenn IKÖ „wirklich“ von der oberen Führung gewollt ist, wird es signifikante Fortschritte geben“ (Tagungsteam 7).

Foto: Miriam Schmidt - Ergebnisse des Tagungsteams 7

Damit die Interkulturelle Öffnung verbindlicher in die Umsetzung komme, soll IKÖ ins Qualitätsmanagement (QM) eingebettet werden. Umgekehrt sollen bereits bestehende QM-Systeme um interkulturelle Standards erweitert werden. (Tagungsteam 8). Damit die Umsetzung zielführend wird, „bedarf es  - neben vielen anderen Maßnahmen – „der Erhebung einer tragfähigen Datenbasis und deren Verdichtung.“

Darum, wie das DRK von Außen wahrgenommen wird und um die Nutzung von Medien, die von Menschen mit Migrationsgeschichte häufig genutzt werden, um das DRK  dort bekannter zu machen, ging es im Tagungsteam 9. Ein wichtiges Ergebnis war: „Mit der Zielgruppe reden und darüber sprechen, wie man die Kommunikation verbessern könne!“ Zur Gewinnung von Menschen mit Migrationsgeschichte als Freiwillige und Hauptamtliche scheint es erfolgversprechend, wenn das DRK auf Menschen zugeht und sie für das DRK begeistert – persönlich, mit Material, auch in anderen Sprachen/Bildern/Symbolen und einer zeitgemäßen Kommunikationsform. (Tagungsteam 5).

Im World Café am Sonntagvormittag wurden die Ergebnisse aus neun Tagungsteams zusammengetragen: Trotz der unterschiedlichen Aufgaben, Teilnehmerzusammensetzung und Moderation haben sie sich sehr gut ergänzt und ein umfassendes Bild für die Herangehensweise an die Interkulturelle Öffnung insgesamt vermittelt.

Gegenseitige Information im World Café

Der Sonntag hatte mit einem Interview mit Frau Nilgün Özel, Vizepräsidentin im DRK-Landesverband Westfalen-Lippe begonnen. Auf unterhaltsame Art beschrieb sie ihren Weg ins DRK und die Beweggründe für ihr Engagement. Sie machte beispielsweise an einer Einladung zu einem Weihnachtsfest deutlich, was sie unter einem offenen Miteinander versteht: Sie halte es für wichtig, dass Einheimische ihre Nachbarn oder Kolleg*innen mit Migrationsgeschichte auch mal zu sich nach Hause einladen und sie an ihrem Leben teilhaben lassen.

Foto: Miriam Schmidt - Das Moderationsteam interviewt Frau Özel, Vizepräsidentin von Westfalen-Lippe

Ihre Frage, warum bei interkulturellen Festen nicht auch deutsche Kultur vorgestellt wird, stimmte nachdenklich. Ihr eindrucksvolles Plädoyer für Interkulturalität und Vielfalt im DRK fand offene Ohren und Herzen bei allen  Teilnehmenden.

Das Ende der Tagung wurde vom dem Playbacktheater  eingeleitet: Die Schauspieler*innen nahmen von den Teilnehmenden geschilderte Eindrücke auf und gestalteten daraus Stegreif-Szenen. Begriffe wie „Migrationshintergrund“, Aussagen wie: „Die englischsprachigen Erste- Hilfe-Kursunterlagen waren unbekannt“ oder  „Interkulturelle Öffnung ist nichts für Weicheier“ und andere wurden gekonnt in Szene gesetzt.

Foto: Foto: Miriam Schmidt - Die Schauspieler des Playback Theaters in Aktion

DRK-Generalsekretär Christian Reuter formulierte in seinem abschließenden Beitrag zunächst seine persönlichen Eindrücke: Er sei beeindruckt von der fortgeschrittenen Umsetzung der Interkulturellen Öffnung in den DRK-Landes- und Kreisverbänden und sprach den Kolleginnen und Kollegen dafür seine Anerkennung aus.

Aus der Tagung ergaben sich aus seiner Sicht folgende Erkenntnisse und Schlussfolgerungen:

„Mit der Interkulturellen Öffnung im DRK und ihrer Ausrichtung auf die Organisations- und Personalentwicklung, die Angebotsentwicklung und die Kommunikation und Kooperation haben wir die Weichen richtig gestellt.“ […] „Auch diese Tagung hat gezeigt, dass die Interkulturelle Öffnung in unseren Gliederungen einen sehr unterschiedlichen Stand hat, was bei der Unterschiedlichkeit der jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort nicht verwundern sollte. Viele unserer Verbände stehen noch in den Startlöchern und benötigen sicher noch Unterstützung.“

Foto: Foto: Miriam Schmidt - DRK Generalsekretär Christian Reuter

Auch Herr Reuter nahm Bezug auf die Flüchtlingsnothilfe und dankte allen DRKlern sehr herzlich, die sich hier ehren- oder hauptamtlich einbringen. Abschließend konstatierte er: „Wir haben hier einen hohen Bedarf, die mit der Flüchtlingshilfe befassten ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitenden angemessen für diese durchaus herausfordernde Arbeit zu qualifizieren – und damit auch die interkulturelle Kompetenz unseres Verbandes zu stärken, die in zunehmendem Maße auch von öffentlichen Auftraggebern und Vertragspartnern verlangt und anerkannt wird. Die hierin liegenden Chancen sollten wir gut nutzen. […] Ich sage zu, dass wir die Ergebnisse dieser Tagung sorgfältig auswerten und (dass) sich dann die Gremien mit den Konsequenzen befassen, die wir daraus ziehen. Interkulturelle Öffnung ist eine der Schwerpunktaufgaben, die wir uns gesetzt haben. Sie sehen auch an dieser Tagung: Wir nehmen das ernst.“

Diesen Worten folgte noch eine begeisternde Vorführung der Fotostory dieser Tagung, die Miriam Schmidt phantasievoll zusammengestellt und mit der dynamischen Musik von The Winners und einem kurzen Ausschnitt des Songs „Auf uns!“ von Andreas Bourani hinterlegt hatte.

Berlin, im Dezember 2015

Anna L. Vey

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[1] Zitat von Vicente Riesgo Alonso - Vorsitzender der Spanischen Weiterbildungsakademie (die kooperatives Mitglied im DRK ist) und langjähriger Teilnehmer am Dialog mit Migrantenorganisationen sowie den Integrationsgipfeln - aus der DRK-Broschüre „Viele Gesichter – Ein Verband. Die Interkulturelle Öffnung im DRK, S. 26)

Weitere Fotos von Miriam Schmidt