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Kurzbericht zur Arbeitstagung „Interkulturelle Öffnung im Roten Kreuz“ 2013 in Göttingen

Dr. Volkmar Schön, Vizepräsident des Deutschen Roten Kreuzes und Vorsitzender der Steuerungsgruppe des DRK-Präsidiums „Interkulturelle Öffnung im DRK“ , eröffnete am 21. November 2013 in Göttingen die zweitägige Arbeitstagung „Interkulturelle Öffnung im DRK“, an der etwa 100 Rotkreuzmitarbeiterinnen und -mitarbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet sowie drei Mitarbeiterinnen des Österreichischen Roten Kreuz aus Wien mitgewirkt haben.

Herr Dr. Schön machte deutlich, dass sich das DRK auch in den kommenden Jahren mit der Implementierung der Interkulturellen Öffnung befassen wird, denn dies sei integraler Bestandteil der Strategie 2020. Denjenigen, die die Notwendigkeit einer Interkulturellen Öffnung ihres Verbandes vielleicht noch als niedrig einschätzen, sagte er: „In einer sich zunehmend diversifizierenden Gesellschaft ist die gleichberechtigte Beteiligung von Menschen mit Migrationsgeschichte eine unabdingbare Voraussetzung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für die „Marktgängigkeit“ aller Produkte und Dienstleistungen. 

Drei Impulsvorträge aus der Perspektive von Wissenschaft, Verwaltung und Migrantenorganisationen folgten:

Mamad Mohamad, Sprecher des Landesnetzwerkes der Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt (LAMSA), stellte dieses Netzwerk vor: LAMSA ist ein Zusammenschluss von derzeit ca. 70 verschiedenen Migrantenorganisationen, -vereinen und Einzelpersonen mit Migrationshintergrund in Sachsen-Anhalt. Menschen mit 40 unterschiedlichen Herkunftssprachen in einem Dachverband zusammenzubringen, das ist schon beachtlich, und es gelingt wohl nur, wenn man gemeinsame Ziele verfolgt: LAMSA stärkt und vernetzt die Migrantenorganisationen, damit sie ihre Interessen erfolgreich in alle relevanten Felder der Gesellschaft einbringen und sich gleichberechtigt beteiligen können. Unter den Menschen mit Migrationsgeschichte gibt es viele Fachkräfte mit hohen Bildungsabschlüssen und guten Qualifikationen, was leider immer noch zu wenig wahrgenommen werde. Mit dem DRK hat LAMSA Erfahrungen in der Zusammenarbeit in einem Tandemprojekt zur Familienbildung an unterschiedlichen Standorten in Sachsen-Anhalt. Die Kooperation zwischen so ungleichen Partnern sei zunächst durchaus schwierig gewesen, habe sich aber nach einem Jahr auf einem stabilen Niveau eingependelt und wurde zu einem Erfolg für alle Beteiligten.

Marion Knödler, Stv. Abteilungsleiterin der Abteilung Integration im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, berichtete über die Ergebnisse des Projektes „Anonyme Bewerbungen“, das die Landesregierung im Rahmen ihrer Initiative „Mehr Migrantinnen und Migranten in den Öffentlichen Dienst - Interkulturelle Öffnung der Landesverwaltung“ durchgeführt hat. Nach anfänglicher Zurückhaltung haben sich vier Ministerien und sechs weitere öffentliche Arbeitgeber an dem zweijährigen Projekt beteiligt, das inzwischen ausgewertet wurde. Es zeigte sich, dass Menschen mit ausländisch klingenden Namen in größerem Umfang als vorher zu Bewerbungsgesprächen eingeladen und auch eingestellt wurden. Frau Knödler plädierte für einen differenzierten Umgang mit anonymen Bewerbungen: Sie seien für manche Ausbildungs- und Arbeitsplätze mit standardisierten Aufgaben durchaus zu empfehlen. Weniger passend sei die anonyme Bewerbung für Arbeitsplätze mit sehr spezialisierten Anforderungen: „Wenn in Besetzungsverfahren nach „Spezialisten“ gesucht wurde, deren Vita und akademische Laufbahn für die Entscheidungen relevant waren, wurde das anonymisierte Verfahren eher als unbrauchbar eingeschätzt“.

(Vgl. Abschlussbericht Anonymisierte Bewerbung)

Prof. Dr. Swetlana Franken, Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Personalmanagement an der Fachhochschule Bielefeld, gab einen Überblick über die wichtigsten Forschungsergebnisse zur Interkulturellen Öffnung von Institutionen und Verbänden. Frau Franken hat u.a. untersucht, unter welchen Bedingungen interkulturelle Teams erfolgreich zusammen arbeiten. Z.B. stünden die Leistungsfähigkeit von interkulturellen Teams in engem Zusammenhang mit der Qualität des Teammanagements, insbesondere mit den Kompetenzen der Führungskraft und ihrem Umgang mit Diversität. „Das Knigge-Wissen über die Verhaltensregeln in verschiedenen Kulturen reicht hier nicht aus. Notwendig ist die Einsicht, dass die eigene Kultur nicht als Maßstab gelten und keine Kultur als besser oder schlechter beurteilt werden darf“. Es bleibe noch viel zu tun, bis auch Migrantinnen und Migranten proportional zu ihrem Bevölkerungsanteil und entsprechend ihrer Kompetenzen gleichberechtigt am Arbeitsleben teilhaben. Auch aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen möchte sie dazu beitragen. Und so freut sie sich, dass das Deutsche Rote Kreuz dabei ist, die interkulturelle Öffnung umzusetzen und äußert sich anerkennend über das bisher Erreichte.

In sechs Workshops wurden praxisnahe Inputs gegeben für das Fortführen bestehender und das Initiieren neuer interkultureller Öffnungsprozesse. Es ging um interkulturelle Handlungskompetenzen in der Erste-Hilfe-Ausbildung und im Rettungsdienst, um Zugänge zu und die Stärkung von Migrantenfamilien sowie um das kollegiale Arbeiten mit Widerständen und Konflikten im Prozess der Interkulturellen Öffnung. Das Thema „Willkommenskultur“ regte viele Teilnehmende an, sich Gedanken darüber zu machen, wie unterschiedlich Menschen das DRK wahrnehmen. Die Kooperation eines Kreisverbandes und des Integrationsbeauftragten im Landkreis Göttingen zeigte, wie es gelingen kann, Menschen mit Migrationsgeschichte für das DRK zu interessieren.

In sechs Facharbeitsgruppen beschäftigten sich die Teilnehmenden mit dem Entwurf einer Arbeitshilfe zur Interkulturellen Öffnung und dem Transfer ins eigene Arbeitsfeld. Es gab auch die Möglichkeit zum Austausch über die eigenen Erfahrungen mit Interkultureller Öffnung sowie zur Standortbestimmung: Was haben wir bisher erreicht? Was hat sich bewährt? Welche Hemmnisse sind aufgetreten? Wo soll es hingehen? Die Diskussionen zeigten, dass eine praxistaugliche und einfach zu handhabende Arbeitshilfe gewünscht wird. Diesen Wunsch zu erfüllen, nimmt sich das Generalsekretariat als Aufgabe vor.

In einer weiteren Arbeitsgruppe für Führungskräfte ging es um ihren Part im Rahmen einer interkulturellen Organisations- bzw. Verbandsentwicklung. Auch dieses soll Eingang finden in die Ausarbeitung der Arbeitshilfe zur Interkulturellen Öffnung.

Die Tagung wurde eingerahmt von den Bannern der Ausstellung „Vielfalt in der Gesellschaft - Diversity in Society“, eines Projektes des DRK-Landesverbandes Sachsen-Anhalt, die die Kolleginnen aus Halle dankenswerterweise mitgebracht hatten.

Die Gesamtmoderation der Tagung erfolgte, wie immer kompetent und charmant, durch Andreas Formella, Stv. Landesgeschäftsführer, Landesverband Badisches Rotes Kreuz / Leitung Abteilung Verbandsentwicklung/Öffentlichkeitsarbeit sowie Soziale Arbeit

Hinweis: Auf eine ausgearbeitete Dokumentation der Tagung wird verzichtet.

Einzelne Tagungsbeiträge, die uns zur Verfügung gestellt werden, stellen wir auf dieser Website ein. Schauen Sie bitte unter: Kurzdokumentation, ob der Sie interessierende Beitrag dabei ist.