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Konferenz in Bayreuth: „Interkulturelle Öffnung – konkret!“

Mit der Konferenz „Interkulturelle Öffnung – konkret!“ hat das DRK vom 20. bis 22. September 2012 die Bedeutung der Interkulturellen Öffnung (IKÖ) für die Arbeit im gesamten Verband herausgestellt. Ein wichtiger Meilenstein für die Umsetzung der Interkulturellen Öffnung im DRK war auch die vom Europäischen Sozialfond ESF geförderte Qualifizierungsmaßnahme „Interkulturelle Handlungskompetenz - IKÖ-Manager/in in der Sozialwirtschaft“, die mit der Konferenz ebenfalls ihren Abschluss fand.

Zu Beginn begrüßte Präsident Dr. Seiters alle Teilnehmenden mit einer Videobotschaft und betonte darin, dass Interkulturelle Öffnung nicht „von alleine passiert und nicht von heute auf morgen“. Die Vizepräsidentin des DRK, Freifrau Schenck zu Schweinsberg, erinnerte daran, dass es auch im DRK „längst noch nicht zur Routine geworden ist, unsere Angebote für alle Menschen, also auch für Menschen mit Migrationshintergrund, zu öffnen und zu gestalten.“

In den folgenden Grußworten unterstrich u.a. die Präsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes, Prinzessin von Thurn und Taxis, dass Projekte der Interkulturellen Öffnung eine nachhaltige Förderung brauchen, die idealerweise nicht schon nach drei Jahren endet. Sie betonte außerdem, wie wichtig es sei, etwa für die Altenpflege Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, die die verschiedenen Kulturen und Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner aus verschiedenen Herkunftsländern kennen.

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Bayreuth, Brigitte Merk-Erbe, hob in ihrer Begrüßung der Tagungsgäste hervor, dass „Maßnahmen, Vorgaben, Regeln oder Verordnungen nicht viel in Sachen Interkulturelle Öffnung werden bewirken können, wenn es nicht gelingt, Akzeptanz für dieses für die Zukunft unserer Gesellschaft so wichtige Thema in den Köpfen zu finden.“ Merk-Erbe geht davon aus, dass „die Vielfalt unserer Gesellschaft ein großes, in Teilen jedoch ein noch verpacktes Geschenk ist“ und dass „Interkulturelle Öffnung ein Weg sein kann, dieses Geschenk immer weiter auszupacken“.

An der Konferenz in Bayreuth haben insgesamt über 190 Personen (ehren- und hauptamtliche DRK-Mitarbeiter/innen sowie Mitwirkende) teilgenommen und sich in 19 Workshops über Wege und Umsetzungsmöglichkeiten und die dabei gemachten Erfahrungen der Interkulturellen Öffnung ausgetauscht. Die Workshops deckten eine große Bandbreite ab, wie und wo interkulturelle Öffnung stattfinden, implementiert werden und schließlich gelingen kann: Erstmalig ist es möglich gewesen, gute Praxisbeispiele aus der interkulturellen Arbeit in vielen Arbeitsfeldern (Kindertageseinrichtung, Familienhilfe, Pflege, Migrationarbeit, Ehrenamt, Rettungsdienst, Erste Hilfe, Öffentlichkeitsarbeit) im DRK einem ähnlich breit gefächerten Teilnehmerkreis vorzustellen. Für Neueinsteiger wurden Basiskenntnisse zur IKÖ vermittelt, „Antidiskriminierungsarbeit“, das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ und „Kommunikation“ als übergreifende Themen waren ebenfalls vertreten. Auch haben die Teilnehmenden erste Projekte, die eine interkulturelle Organisationsentwicklung (Beispiel eines Seniorenzentrums in Baden-Württemberg) anstreben, kennenlernen und diskutieren können. Ein ebenfalls sehr wichtiges Thema war die erforderliche Verankerung von Maßnahmen zur Interkulturellen Öffnung im Finanzbudget. Gemeinsam mit Mitgliedern von Migrantenorganisationen, mit denen das DRK bereits kooperiert, wurden die Chancen und Stolpersteine der konkreten Zusammenarbeit erörtert – und vieles andere mehr.

Referate, Vorträge und drei Talkrunden über „Erfolgreiche Ansätze Interkultureller Öffnung in der Verwaltung“, über den Status Quo in der bundesdeutschen Gesellschaft mit dem Titel „Interkulturelle Öffnung – alles klar – oder?“ und über Erfahrungen mit Interkultureller Öffnung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und im DRK regten die Teilnehmenden zu vielen Diskussionen und Gesprächen auch in den Pausen an.

Die Konferenz bildete auch den Rahmen für den Abschluss der berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahme „Interkulturelle Handlungskompetenz - IKÖ-Manager/in in der Sozialwirtschaft“. Seit Herbst 2010 sind in zwei Staffeln 116 hauptamtliche Fach- und Führungskräfte im DRK zum „IKÖ-Manager“ ausgebildet worden. Etwa 60 Teilnehmende der Qualifizierungsmaßnahme brachten ihre Erfahrungen in die Konferenz ein. Lutz Eggeling, Leiter des Projektes sagt: „Die Diskussionen waren sehr lebhaft. Man hat gemerkt, dass das Thema nah dran ist an den alltäglichen Herausforderungen der Mitarbeiter und dass es im Verband angekommen ist.“

Ein erstes Fazit dieser drei lebhaften und bereichernden Konferenz-Tage lautet, dass das DRK schon auf einem guten Weg in Richtung Interkulturelle Öffnung ist und dass es schon viele gute Ansätze und Projekte auf allen Verbandsebenen gibt. Es bleibt aber auch noch viel zu tun, bis Interkulturelle Öffnung überall selbstverständlich geworden ist. Interkulturelle Öffnung - auch das wurde mehr als deutlich - muss als wichtiger Prozess der Organisations- und Personalentwicklung in den Köpfen und Herzen der Beteiligten stattfinden.

(Die Herausgabe der Konferenzdokumentation in Form des gleichnamigen Readers erfolgte im Frühjahr 2013.)