Leitthesen Interkulturelle Öffnung im DRK

Den Grundsätzen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes[1] zu folgen, heißt, sich für alle, insbesondere hilfsbedürftige und benachteiligte Menschen solidarisch und unparteilich einzusetzen. Dabei fördert das DRK ein gleichberechtigtes, friedliches und respektvolles Zusammenleben aller Menschen, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, kulturellen Prägung oder weltanschaulichen Überzeugung.

Menschen mit Migrationshintergrund bilden einen wesentlichen Bestandteil unserer Gesellschaft. Wir sind damit herausgefordert, das Zusammenleben in einer ethnisch und kulturell diversifizierten Gesellschaft zu gestalten und Integration zu fördern.

Integration setzt eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben voraus. Partizipation und Chancengleichheit zu ermöglichen, fordert auch gezielte Maßnahmen zur strukturellen Veränderungen der Aufnahmegesellschaft, ihrer Institutionen und Organisationen.

Im Folgenden werden neun Grundsätze formuliert, um den Prozess der interkulturellen Öffnung unseres Verbandes im Sinne unseres Selbstverständnisses insbesondere unter Achtung der Unterschiedlichkeit und Gleichwertigkeit aller Menschen zu befördern und damit bereits in der Vergangenheit formulierte Beschlüsse zu erfüllen:

--> Vor dem Hintergrund der Grundsätze der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und entsprechender Beschlüsse der internationalen und nationalen Gremien hat das Deutsche Rote Kreuz bereits 1994 die Grundsatzaussage getroffen, "Migranten als mitgestaltende Partner in alle Bereiche des verbandlichen Lebens einzubeziehen."

-->Diesem Auftrag ist die "Strategische Teilplanung für das Geschäftsfeld Migration" von 1998 gefolgt: Sie fordert die "Öffnung aller DRK-Dienste und Angebote für Migranten", die "Einbeziehung von Migranten in die Alltagsarbeit des DRK" sowie die "Förderung von interkultureller Kompetenz als Schlüsselqualifikation für DRK-Mitarbeiter".

--> Die "Strategie 2010" appelliert an alle Nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, angesichts der zunehmend diversifizierten Bevölkerungszusammensetzung sicherzustellen, "dass sich die Zusammensetzung der Bevölkerung auch in der Besetzung der Führungspositionen widerspiegelt".

--> Auf der Europäischen Regionalkonferenz (2002) verpflichteten sich die Nationalen Gesellschaften zu bedarfsgerechten und zielgerichteten Maßnahmen, zu einer Kultur der Integration sowie zu einer ausgewogenen Einbindung von Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft entsprechend der Kultur der Vielfalt.

--> Der Delegiertenrat 2003 beschloss eine Resolution, mit der er die Nationalen Gesellschaften auffordert, "Toleranz, Nicht-Diskriminierung und Respekt für kulturelle Vielfalt zu fördern" und entsprechende Maßnahmen durchzuführen. Insbesondere soll eine "Einschätzung der Zusammensetzung der Führung, des Personals, der Ehrenamtlichen und der Mitglieder der Organisationen" vorgenommen, "eine unausgewogene Zusammensetzung der Mitglieder, aus welchen Gründen auch immer – Rasse, Religion, Geschlecht, Alter –, (...) erkannt und energisch angegangen" sowie sichergestellt werden, "dass wir als tolerant und nichtdiskriminierend wahrgenommen werden und Vielfalt respektieren".

--> Das Präsidium des Deutschen Rotes Kreuzes unterstrich 2004 "die Notwendigkeit, 'Interkulturelle Öffnung im DRK' als wichtige Aufgabenstellung voranzutreiben", und empfahl, "die geplanten Aktivitäten durchzuführen". 

Grundsätze zur interkulturellen Öffnung im DRK

• Das DRK stellt die Teilhabe und Anerkennung von Migrantinnen und Migranten im Verband sicher und trägt so auch zu ihrer Integration in die Gesellschaft bei.

• Das DRK betrachtet die interkulturelle Öffnung als wichtigen und notwendigen Beitrag, seine Angebote und Dienste an die Herausforderung kultureller Vielfalt anzupassen und damit seine Zukunftsfähigkeit zu sichern.

• Im DRK sind Menschen mit Migrationshintergrund gleichberechtigte Mitglieder, Führungskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Klientinnen und Klienten sowie Kundinnen und Kunden.

• Das DRK setzt sich dafür ein, dass niemand aufgrund seiner ethnischen Herkunft, kulturellen Prägung oder weltanschaulichen Überzeugung diskriminiert wird.

• Das DRK gestaltet seine Angebote so, dass sie jede(r) in Anspruch nehmen kann, unabhängig von ethnischer Herkunft, kultureller Prägung oder weltanschaulicher Überzeugung.

• Das DRK fördert die interkulturelle Kompetenz seiner ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erkennt interkulturelle Kompetenz bei der Einstellung als besondere Fähigkeit an.

• Das DRK betreibt Öffentlichkeitsarbeit zum Thema interkulturelle Öffnung.

• Das DRK pflegt eine interne und externe Kooperation und Vernetzung zur Förderung der interkulturellen Öffnung, insbesondere auch mit Vereinen und Selbsthilfeorganisationen von Migrantinnen und Migranten.

• Das DRK überprüft in regelmäßigen Abständen den Prozess der interkulturellen Öffnung.

 

[1] Die Grundsätze des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes wurden auf der 20. Internationalen Rotkreuz-Konferenz in Wien 1965 verkündet.

Menschlichkeit

Die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, entstanden aus dem Willen, den Verwundeten der Schlachtfelder unterschiedslos Hilfe zu leisten, bemüht sich in ihrer internationalen und nationalen Tätigkeit, menschliches Leiden überall und jederzeit zu verhüten und zu lindern. Sie ist bestrebt, Leben und Gesundheit zu schützen und der Würde des Menschen Achtung zu verschaffen. Sie fördert gegenseitiges Verständnis, Freundschaft, Zusammenarbeit und einen dauerhaften Frieden unter allen Völkern.

Unparteilichkeit

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung unterscheidet nicht nach Nationalität, Rasse, Religion, sozialer Stellung oder politischer Überzeugung. Sie ist einzig bemüht, den Menschen nach dem Maß ihrer Not zu helfen und dabei den dringendsten Fällen den Vorrang zu geben.

Neutralität

Um sich das Vertrauen aller zu bewahren, enthält sich die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung der Teilnahme an Feindseligkeiten wie auch, zu jeder Zeit, an politischen, rassischen, religiösen oder ideologischen Auseinandersetzungen.

Unabhängigkeit

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist unabhängig. Wenn auch die Nationalen Gesellschaften den Behörden bei ihrer humanitären Tätigkeit als Hilfsgesellschaften zur Seite stehen und den jeweiligen Landesgesetzen unterworfen sind, müssen sie dennoch eine Eigenständigkeit bewahren, die ihnen gestattet, jederzeit nach den Grundsätzen der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung zu handeln.

Freiwilligkeit

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung verkörpert freiwillige und uneigennützige Hilfe ohne jedes Gewinnstreben.

Einheit

In jedem Land kann es nur eine einzige Nationale Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft geben. Sie muss allen offen stehen und ihre humanitäre Tätigkeit im ganzen Gebiet ausüben.

Universalität

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist weltumfassend. In ihr haben alle Nationalen Gesellschaften gleiche Rechte und die Pflicht, einander zu helfen.